Daniel Bax von den Neuen Deutsche Medienmachern: Vielfalt schadet den Medien nicht

FES Integrationskongress 2017

Daniel Bax, geboren in Brasilien, aufgewachsen in Freiburg und Berlin, hat Journalistik und Islamwissenschaft in Berlin studiert. Seit 15 Jahren Arbeit er als Journalist für die taz und schreibt über Migration, Integration und den Islam. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied der Neuen Deutschen Medienmacher. Gegründet 2009, sind die Neuen Deutschen Medienmacher ein bundesweiter Verband von Journalisten mit und ohne Migrationshintergrund. 2014 hatte die Organisation 160 Vereins- und 670 Netzwerkmitglieder.

– For the English version check below –

Was ist das Ziel der neuen deutschen Medienmacher?

In kurzen Worten kann man sagen, die Neuen Deutschen Medienmacher sind ein Verband, der sich für Medienvielfalt einsetzen und zwar auf verschiedenen Ebenen. Bei uns sind Journalisten mit Migrationshintergrund, aber auch ohne organisiert. Unser Vereinsziel ist mehr Medienvielfalt und zwar auf zwei Wegen: Zum einen personell, indem wir uns dafür einsetzen, dass mehr Journalisten mit Migrationshintergrund in den Medien sind und zum zweiten Expertise zum Thema Vielfalt und Einwanderungsgesellschaft zu fördern.

Wie sehen sie die Besetzung von Migrant_innen in Deutschen Redaktionen?

Wir wissen aus Studien, dass vor einigen Jahren um die zwei Prozent an Journalisten einen Migrationshintergrund hatten. Mittlerweile sind das ein bisschen mehr. Man merkt, dass bereits vor zehn Jahren öffentlich-rechtliche Sender verstanden haben, dass wenn sie die deutsche Gesellschaft abbilden und Zielgruppen in Migranten-Communities erreichen wollen, dann braucht man Identifikationsfiguren. Man guckt sich halt Sender lieber an, wenn man das Gefühl hat, dass die Personen wie man selbst sind. Deswegen sind gerade Nachrichtensprecher und Moderatoren wichtig für das Selbstbild eines Senders, welches er nach außen transportieren möchten. Auch Zeitungen haben das entdeckt. Die Zeit zum Beispiel, hat sich vor einigen Jahren nicht nur eine Frauenquote gegeben, sondern sich auch deutlich redaktionell in die Richtung entwickelt, nicht nur den Klischee Zeit-Leser erreichen zu wollen, sondern auch die mit Migrationshintergrund. Sie haben auch gezielt mehr Redakteure mit Migrationshintergrund eingestellt. Es gibt einzelne Medien, die aus eigenem Interesse darauf kommen.

Woran liegt es daran, dass es wenige Journalisten mit Migrationshintergrund gibt?

Es gibt verschiedene Gründe, warum Migrant_innen in Medien unterbesetzt sind. Auch Arbeiterkinder sind unterrepräsentiert in den Medien. Ein bildungsbürgerlicher Hintergrund ist immer hilfreich in einem Bereich, in dem viel mit Sprache gearbeitet wird und in dem es viel auf Wissen ankommt. Und auch Kontakte sind wichtig. Kleine Vorteile hat man eben, wenn man in das Milieu hineingeboren wird. Das ist bei vielen Migrant_innen nicht der Fall, gerade wenn sie aus Gastarbeiterfamilien kommen. Umgekehrt sind Medien auch Tendenzbetriebe. Jede Zeitung hat ihr politisches Profil und erst in letzter Zeit haben sie sich geöffnet und es als Defizit anerkennt. Sie waren lange Zeit zufrieden und viele sind es noch heute und meinen, sie brauchen gar nicht mehr Vielfalt – sie haben ja ihre Leser. Und erst in dem Maße, dass man merkt, man hat ein Defizit, tut man auch was dagegen. Das eine, woran wir arbeiten, ist dafür zu werben, dass Vielfalt eine gute Sache ist. Etwas, das den Medien nicht schadet, sondern letztendlich nützt.

„Erst wenn man merkt, dass man ein Defizit hat, tut man auch was dagegen.“

Wie vermitteln die Neuen Deutschen Medienmacher mehr Expertise?

Wir werben mehr Sachlichkeit in der Migrationsdebatte. Nicht jeder Migrant ist automatisch ein Experte für Migrationsthemen. Jeder Mensch hat das Recht als Journalist über die Themen zu schreiben, die er gerne möchte. Auch wenn Journalisten mit Migrationshintergrund zum Teil nachgesagt wird, dass sie da möglicherweise Experten sind – und manchmal auch einfach unfreiwillig zu Experten gemacht werden. Was wir natürlich auch wollen, ist das Journalisten ohne Migrationshintergrund Expertise aneignen.

Dafür werben wir, indem wir zum Beispiel dieses Glossar herausgebracht werden, in dem wir gängige Begriffe in der Integrationsdebatte hinterfragt und geguckt haben, ob sich andere Begriffe besser eignen. Sprache ist unser Instrument als Journalisten und da ist es immer sinnvoll zu fragen, mit welchen Frames und mit welchen Begriffen arbeiten wir.

Ein Beispiel: Wenn wir von Ausländern mit deutschem Pass sprechen, merken manche gar nicht, dass sie ein Bild benutzen, das vielleicht schief ist. Entweder man ist Deutscher oder man ist Ausländer, man kann nicht Ausländer mit deutschem Pass sein – dann ist man Deutscher. Wir müssen hinterfragen, wie sich sowas in die Berichterstattung einschleicht und natürlich gibt es auch politisch motivierte Begriffssetzungen. Bestimmte Schlagworte sind natürlich auch politisch belastet. Darüber nachzudenken und zu diskutieren ist eine Sache. Wir sind alles Journalisten, die es ehrenamtlich nebenbei machen und wir gehen auch in andere Redaktionen und machen Blattkritik. Der Austausch ist wichtig und in gewisser Weise auch Lobbyarbeit.

Gibt es Ansätze der Neuen Deutschen Medienmacher für die Jugend und Geflüchtete?

Wir machen Nachwuchsarbeit. Wir haben ein Mentorenprogramm, das sich gezielt ein Berufseinsteiger mit Migrationshintergrund richtet. Dass man denen einfach als Ansprechpartner zur Verfügung steht, Kontakte sind unheimlich wichtig im Journalismus.
Und für Geflüchtete gibt es auch ein Projekt. Wir haben verschiedene Projekte am Laufen und sind auch gefragt als Kooperationspartner. Und es gibt auch ein Projekt, dass sich dafür einsetzt, geflüchteten Journalisten zu helfen im deutschen Medienbetrieb Fuß zu was.


Daniel Bax of the New German Media Professionals: Diversity does not hurt the media

Daniel Bax, born in Brazil and raised in Freiburg and Berlin, has studied journalism and Islamic studies in Berlin. For 15 years, he has been working as a journalist for the taz, writing about migration, integration and Islam. Besides, he is a board member of the New German Media Professionals (Neue Deutsche Medienmacher). Founded in 2009, New German Media Professionals are an alliance of journalists with and without migration background from all over Germany. In 2014, the organization had 160 club members and 670 network members.

What is the aim of your organization?

New German Media Professionals are an association that advocates for diversity in media, and we involve journalists with and without migration background. The team fosters media diversity in two different ways; firstly, we take a stand for more journalists with migration background to be included in German newsrooms. Secondly, we promote expertise regarding the topics of diversity and migration society.

How big is migration background in German journalism?

A few years ago, the number of journalists with a migration background was about two percent. This number increased. Already ten years ago, state channels realized the need of role models to depict the German society and reach target groups in migrant communities. Especially news anchors and hosts are important for the image the channels want to share with the public. Newspapers have realized that as well. For example, “Die Zeit” did not only introduce a female quota a few years ago, but has developed their editorial team to reach the readers with migration background.

What are the reasons for underrepresentation of journalists with migration background?

There are different reasons for migrants being underrepresented in German media. Other groups are underrepresented as well, like working-class children. A middle-class intellectual background is always helpful in a domain, where one works a lot with languages and where knowledge is important – as well as contacts. Being born into the milieu is giving one a small advantage. This is not the case for many migrants, especially for the descendants of Gastarbeiter. At the same time, media outlets are establishments that follow existing tendencies. Every newspaper has its own political profile and just recently, they come to realize their shortcomings and thus have opened themselves. They have been satisfied for a long time and many of them still are today, thinking they do not need more diversity – since they have their readers anyway. Only when you realize you have a shortcoming, you will start doing something against it. One thing we do is promoting that diversity is a good thing. It is something, that is not going to hurt the media, but eventually benefits them.

How does your organization impart more expertise?

We promote more objectivity in the debate about migration. Not every migrant is automatically an expert on migration topics. Everyone has a right as a journalist to write about those topics one personally prefers. Journalists with migration background are rumored to be experts on that topic, sometimes they are made to experts involuntarily. What we want is for journalists without migration background to acquire more expertise in this area.

We promote this by spreading information like through glossary where we question established terms related to migrants and integration, and we try to replace them by words that are more suitable. For instance, people do not realize the false concept of a “foreign person with a German passport.” You are either German or a foreigner. You cannot be a foreigner with a German passport because having the passport makes you German. We need to question how those terms find their way into media coverage, and we must beware of politically motivated definitions. Certain catchwords are politically charged; and as New German Media Professionals, we go to newsrooms to discuss this. Exchange is important, and in certain ways, we do lobby work.

Do the New German Media Professionals have approaches for the youth and refugees?

We do work with the youth. We have a mentoring program aimed at job starters with migration background; we offer them reference names because contacts are important in the field of journalism. We also run projects for refugees. One example is a program for journalists who have fled their countries to establish themselves in the German media system.

Titel: Nikolay Nikolov

This article was first publish at Orange Magazine in March 2017.

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