Weihnachten unter Palmen

Going Europe: Die Erasmus-Kolumne #4

Christmas Palm Trees

Gedanken an Spanien rufen Bilder von Sommer, Sonne, Strand und Meer hervor. Winterwonderland? Zumindest in Valencia Fehlanzeige. Wenn tagsüber die Temperaturen noch auf knapp zwanzig Grad klettern, gerate ich nur schwer in Weihnachtsstimmung – da kann ich „Leise rieselt der Schnee“ noch so laut und oft hören.

Anders hingegen sieht es am Abend aus, wenn die Sonne untergegangen ist. Seit Mitte November hängen überall in der Stadt Lichter verteilt – seit letztem Freitag brennen diese nun auch im Dunkeln. Auf dem Platz vorm Rathaus steht eine Eislaufbahn, ein riesiger, künstlicher Weihnachtsbaum und auch einen kleinen Weihachtsmarkt habe ich schon gefunden. Die Chance also, doch etwas Weihnachtsstimmung zu tanken, bevor es für die Festtage nach Deutschland geht. Außerdem stehen überall in der Stadt verteilt Weihnachtskrippen. Ihnen wird eine wichtigere Bedeutung als den Weihnachtsbäumen hier in Spanien zugeschrieben.

Plätzchenbacken? Fehlanzeige

Was auch immer gut funktioniert, für ein weihnachtliches Gefühl, sind selbst gebackenen Plätzchen. Gemahlene Mandeln gibt es auch in spanischen Supermärkten und ein Nudelholz lässt sich in der WG-Küche zum Glück auch finden. Den Vanillekipferln steht also nichts mehr im Wege. Meine spanischen Mitbewohnerinnen sind sich schon gespannt, in Spanien gehört das Plätzchenbacken in der Vorweihnachtszeit nämlich nicht zum üblichen Programm. Stattdessen finden sich in dem katholisch geprägten Land allerlei andere Gebräuche, rund um das Weihnachtsfest: Den ersten Höhepunkt stellt die Ziehung der Weihnachtslotterie am 22. Dezember dar, die Sorteo Extraordinario de Navidad. Diese wird seit 1812 ausgespielt, mit Gewinnen bis zu 4 Millionen Euro. Die spanische Weihnachtslotterie gehört zu den bekanntesten und größten Ziehungen weltweit. Viel Bedeutung wird auch den jährlich neu gedrehten Werbespots der Lotterie zugeschrieben. Den Kurzfilm zur diesjährigen Lotería de Navidad findet ihr hier – keine Sorge, in dem view minütigen Clip wird kein Spanisch gesprochen 😉

Keine Geschenke an Heiligabend

Am 24. folgt dann die Noche Buena, der Heiligabend. Geschenke werden an diesem Tag allerdings noch nicht ausgepackt, dies folgt erst im Januar. Wie auch in Deutschland, gibt es die beiden Weihnachtsfeiertage am 25. und 26. Dezember. Am 28. Dezember wird das Fest der unschuldigen Kinder im spanischsprachigen Raum begangen. Er ähnelt dem ersten April und zeichnet sich dadurch aus, andere durch erdachte Geschichten hereinzulegen. Auch die Medien versuchen an diesem Tag, möglichst glaubwürdige Falschmeldungen zu veröffentlichen.

Anstelle des Christkindes oder mancherorts des Weihnachtsmannes, bringen die Heiligen Drei Könige am 6. Januar die Geschenke in Spanien. Häufig gibt es am Nachmittag des 5. Januars einen Umzug um ihre Ankunft zu feiern, die Cabalgata de Reyes Magos. Wenn die Kinder dann abends Wasser und Brot vor die Tür stellen, erwarten sie am nächsten ihre Geschenke. Dieser Brauch wird aber häufig kritisiert, findet die Bescherung doch am letzten Tag der Ferien statt.

In diesem Sinne: ¡Feliz navidad!

Dieser Artikel ist zuerst auf dem Scheinwerfer Blog erschienen.

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