Zukunft von morgen schon heute nutzen

Das FabLab in der Uni Bremen

FabLab

Dass die Universität eine Vielzahl an Labors beherbergt, ist nichts Neues. Doch in der vierten Etage des GW2 befindet sich ein ganz besonderes: Das sogenannte FabLab.

FabLab Bremen e.V. (engl. Fabrication laboratory – Fabrikationslabor) ist ein Mitmachlabor für alle Interessierten. Jeden Montagabend, beim OpenLab- Day, können unter anderem Vinyl- und Lasercutter oder 3D-Drucker ausprobiert werden. 2012 gründete die Arbeitsgruppe Digitale Medien in der Bildung (dimeb) aus der Informatik die High-Tech-Werkstatt FabLab Bremen. „Digitale Medien beinhalten immer eine gewisse Abstraktion, doch die Gründung eines FabLabs verbindet die Theorie mit dem Praktischen – der Fertigungstechnologie“, erklärt Ehrenpräsidentin Prof. Dr. Heidi Schelhowe. Es ist
ein Ort, an dem jeder die Möglichkeit hat – auch über die Universität hinaus – mit unterschiedlichsten Materialien und Technologien zu experimentieren. So besuchen zum Beispiel regelmäßig Schulklassen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung oder Studierende nicht-technischer Studiengänge das FabLab. Doch wie findet man Zugang dazu, wenn meine keine Vorkenntnisse hat? Dazu gibt es jeden Montag den OpenLabDay ab 18 Uhr. „Wenn man eine Idee hat, die man gerne umsetzen möchte, ist das schon ein guter Anfang“, erzählt Heidi Schelhowe. Ideen und Tipps zur Umsetzung finde man dann im FabLab. „Das FabLab ist kein Dienstleister, sondern eine Gemeinschaft“, erklärt Lars Grochla, Vorstandsmitglied. Er ist Student der Digitalen Medien und arbeitet seit einem Jahr in der Bremer High-Tech-Werkstatt. An einem Beispiel zeigt er, wie 3D-Drucker funktionieren.

3D-Druck für Anfänger

Um sich seinen eigenen Druck zu erstellen, muss man kein Profi sein; denn verschiedene Softwares lassen sich vom Anfänger bis zum Profi nutzen. Außerdem gibt es online Datenbanken mit einer Vielzahl an Bauanleitungen. Für einen Neuling zeigt Lars Grochla, wie man seine eigene Keks-Ausstechform kreiert – von der online erstellten Vorlage bis hin zum gedruckten Objekt. Unter cookiecaster.com kann man sich seine eigene 3D-Vorlage kreieren. Gedruckt wird dann mit dem „Ultimaker 2“. Das würfelförmige Gerät gilt derweil als der Beste auf dem Markt. Ebene für Ebene wird der flüssige Rohstoff aufeinandergesetzt, bis das gewünschte Objekt fertig ist; rund 15 Minuten dauert die Ausstechform. Aktuell sind zehn verschiedene Farben und Materialien verfügbar. Für das Herz zum Kekse ausstechen wird das biologisch abbaubare PLA genutzt. Bambus, Kupfer, Bronze oder auch Holz und Nylon kann man – gemischt mit Plastik – im FabLab verarbeiten. Mitglieder des Vereins zahlen für zwei Gramm Rohstoff 20 Cent; der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 40 Euro im Jahr. Die Technik des 3D-Drucks wird bereits seit mehreren Jahrzehnten in der Industrie genutzt. Doch zu einem richtigen Trend entwickelte sie sich erst, seitdem die Patente der Drucker vor ein paar Jahren frei zugänglich gemacht wurden. Bereits ganze Häuser und Autos wurden mit dieser Verfahrenstechnik produziert; Modellhäuschen, verschiedene Werkzeuge oder Schmuckstücke sind in den Regalen der High-Tech-Werkstatt in der Uni Bremen zu finden.

Eine weltweite Bewegung

2002 gründete sich das erste FabLab am Massachusetts Instituteof Technology (MIT) in den USA. Seitdem hat sich
daraus eine weltweite Bewegung etabliert. FabLab Bremen e.V. zählt inzwischen rund 60 Mitgliedschaften. Auch Peter nutzt die Werkstatt. Der Diplom-Designer, der seinen Abschluss an der Bauhaus Universität in Weimar erlangte, möchte sich selbstständig machen. Welche Produkte genau er plant zu vertreiben, möchte er nicht erzählen; zu groß sei die Gefahr von Konkurrenz und Ideen-Klau. Im FabLab hat er die Möglichkeit, Ideen und Techniken günstig auszutesten, eher er sich einen eigenen 3D-Drucker zulege. Und das Konzept der offenen Werkstatt bietet die Möglichkeit, konkrete Probleme anzusprechen.

“Das interessante ist, dass hier jeder zum Produzenten wird, statt nur Konsument zu sein.”

2011 führte die deutsche Bundesregierung ein Zukunftsmodell unter dem schmuckvollen Namen „Industrie 4.0“: „Die Wirtschaft an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution“, schreibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Schlagwörter wie Individualisierung, Optimierungspotenzial und ganz klar Digitalisierung stehen damit im Zusammenhang. Die Bedeutung des FabLabs ist im Lichte des Projektes zu sehen: Es zeigt, wie diese abstrakten Ideen in der Praxis aussehen. „Das Interessante ist, dass hier jeder zum Produzenten wird, statt nur Konsument zu sein“, sagt Lars Grochla, „anstelle von Massenware setzt man sich hier intensiv mit dem einzelnen Produkt auseinander.“ Also
eine Gegenbewegung zum Massenkonsum? Torsten und seine beiden Söhne Lennard (13) und Vincent (9) druckten sich zum Beispiel bereits Ersatzteile für ihren Wohnwagen. Für sie ist der Besuch im FabLab ein gesetzter Termin. „Hier bekommen Kinder einen Zugang zu Technologie. Und können Computer sinnvoll nutzen“, so der Familienvater. Neben dem 3D-Druck ist das FabLab noch mit weiteren Technologien ausgestattet, unter anderem mit Laser- und Vinylcutter, 3D-Scannern, Materialien für ‚physical computing‘ und einer professionelle Werkbank samt Werkzeug.

Forschung und Praxis kombiniert

Durch die Gründung eines Vereins ermöglicht sich das FabLab auch über die Uni hinaus eine breite Aufstellung. Für die Zukunft plant FabLab Bremen zweigleisig zu fahren: Im Sommer steht ein Umzug in das Postamt 5 am Hauptbahnhof an. Damit soll die Präsenz in der Stadt noch besser werden. „Den Standort an der Uni möchten wir aber gerne erhalten“, sagt Heidi Schelhowe, „wir erhoffen uns eine Kooperation mit verschiedenen Forschungsbereichen, wie der Chemie oder der Meeresbiologie. In der Innenstadt möchten wir einen Praxisschwerpunkt setzen und verstärkt mit Bildungseinrichtungen kooperieren.“ FabLab Bremen bietet nicht nur den Technik-Versierten eine Anlaufstelle, sondern ist für alle, die ihre Ideen gerne einmal praktisch umsetzen möchten, ein spannender Ort!

Foto: Ulrike Bausch

Dieser Artikel erschien zuerst im Scheinwerfer im Juni 2015.

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