Das Tor zur Welt

Die besten Tipps zum Sprachen lernen

Illustration Sprachen Ulrike Bausch

Reisen, Studieren, Arbeiten – mit Fremdsprachenkenntnissen steht einem mehr als nur das Heimatland offen. Erste Erfahrungen im Lernen einer Sprache lassen sich bereits in der Schule machen. Doch wie knüpft man an diese an Sprachkurse sind eine oft teure Möglichkeit – doch es gibt Alternativen.

Als StudentIn lohnt sich ein Blick in das Angebot des Fremdsprachenzentrums der Uni. Von Arabisch über modernes
Hebräisch bis hin zu Schwedisch und Türkisch. Die Auswahl ist groß – und teuer. Sofern Sprachkurse nicht im Curriculum festgeschrieben sind, wird ein Entgelt fällig. Dieses kann sich bei Kursen über mehrere Semester schnell auf einige
hundert Euro belaufen. Einziger Ausblick: Folgekurse bieten Ermäßigungen und eine Zusage zu einem Auslandsstipendium, sogar einen kostenlosen Kurs von bis zu vier Semesterwochenstunden. Und: Verschiedene fachspezifische Kurse, wie zum Beispiel akademisches Schreiben für Politik- und Sozialwissenschaften auf Englisch, werden kostenfrei angeboten.

Tandem-Lernen: Sprachpraxis bei einer Tasse Kaffee

Beim Blick auf die Preise ist auch der 21-jährigen Magdalena schwindelig geworden. Nachdem sie ein Jahr in Costa Rica den internationalen Jugendfreiwilligendienst in einem Kindergarten verbracht hatte, wollte sie ihre erlernten Spanischkenntnisse nicht wieder verlieren. Doch einen Kurs über das Fremdsprachenzentrum zu buchen, kam für die Studentin der Integrierten Europastudien nicht in Frage. Lernt und bezahlt sie doch bereits einen Kurs am Institut Français im Hinblick auf ein Auslandssemester. Stattdessen fand sie über das Selbstlernzentrum Sprachen an der Uni Damián aus Valencia – ihren Tandem-Partner. Einmal in der Woche treffen sich Magdalena und Damián, meist auf einen Kaffee im Viertel. Erst unterhalten sich die beiden auf Deutsch, dann auf Spanisch. Sie sprechen über die Uni, ihren Alltag oder Zukunftspläne – genauso wie mit anderen Freunden auch. So kann Magdalena ihre Sprachkenntnisse, die sie nach zwei Jahren Schulspanisch besonders durch ihren Alltag in Costa Rica auf ein fortgeschrittenes Niveau gebracht hat, regelmäßig auffrischen.
„Als Muttersprachler ist Damián nicht nur ein guter Sprachpartner, sondern kann mir viel über die Kultur und sein Leben erzählen. Außerdem empfinde ich Tandem-Lernen als eine entspannte und flexible Lösung. Wir entscheiden selbst, wann und wie lange wir uns treffen, und die Atmosphäre ist viel persönlicher. Für jemanden, der eine Sprache gerne sprechen möchte, sehe ich absolut keine Nachteile.“ Grundlegende Sprachkenntnisse oder parallel einen Sprachkurs zu absolvieren sind von Vorteil im Tandem-Lernen, denn es findet kein systematisches Erlernen vom Grammatik und Vokabeln statt – außer man findet dort eine Abstimmung mit seinem Partner. Der Fokus liegt aber in der Regel in der Sprachpraxis. Eine weitere Plattform, um einen Tandem-Partner zu finden, ist das soziale Netzwerk Facebook. „Tandem in Bremen“ heißt die Gruppe, der aktuell rund 1.500 Nutzer beigetreten sind. Neben der Suche und dem Angebot von Sprachtandems wird außerdem regelmäßig über verschiedene Stammtische, wie zum Beispiel den „Italienisch-Deutsch Stammtisch Bremen“, informiert.

Sprachreisen: Leben und Lernen im Urlaub

Auch die vorlesungsfreie Zeit lässt sich gut nutzen, um eine neue Sprache zu erlernen. Statt sich bei deutscher Regenwetter-Tristesse über Grammatik und Vokabelheften in ferne Länder zu träumen, verbindet ein Lernen vor Ort gleich drei Komponenten miteinander: Theorie, die praktische Anwendung und eine große Portion Urlaub. So bietet zum Beispiel die Escuela Albufera nahe Valencia einen Spanisch-Campus an – Leben und Lernen am selben Ort. Ein Aufenthalt zwischen einer und vier Wochen ist möglich; für den blutigen Anfänger bis hin zum Fast-Profi. Ein Einstufungstest vor Anreise gibt erste Anhaltspunkte, vor Ort wird individuell nach den Bedürfnissen der Kleingruppen der Unterricht angelegt. Morgens, mittags und nachmittags finden im Wechsel die clases de español statt. Drei Stunden Lernen der Sprachen und danach zurück an den Strand. Gespickt mit kleineren Hausaufgaben ergibt sich so eine gute Mischung aus Lernen und Urlaub. Daneben bietet die Schule wöchentlich einen Salsa-Kurs, eine Stadtführung in Valencia sowie einen Paella-Abend an, wo allen SchülerInnen das Nationalgericht der Region serviert wird. Zunächst scheint der stolze Preis von rund 500€ pro Woche für Unterricht und Unterkunft in einem der Holzbungalows erschreckend. Doch regelmäßig findet man online Angebote der Escuela Albufera, mit denen man bis zu einem Drittel der Kosten spart. Vor allem um seine Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen oder um einen Eindruck der Sprache zu gewinnen, lohnt sich das Angebot.

Nach dem Motto „‘fair‘-reisen statt nur verreisen“ arbeiten die „lernen und helfen sprachreisen“. Der hauptsächlich auf Schwellen- und Entwicklungsländer ausgerichtete Reiseveranstalter legt seinen Fokus nicht nur auf die Qualität seines Sprachunterrichts, sondern auch auf eine sozial- und umweltverträgliche Ausgestaltung. So unterstützen zum Beispiel Anteile der Studiengebühren Hilfsprojekte im jeweiligen Zielland. In Südafrika erreicht das Geld beispielsweise einen Förderverein, der unter anderem ein Care Centre und verschiedene Bildungseinrichtungen unterstützt. Ein weiterer Teil des Geldes geht an Klimaschutz-Projekte, um eine Kompensation für die Flugreisen zu ermöglichen. „lernen und helfen sprachreisen“ bietet neben der Nachhaltigkeit auch noch ein besonderes Extra: Snowboarding in Argentinien, Capoeira in Brasilien oder Yoga in der Dominikanischen Republik – dank eines breitgefächerten Angebots kommt auch die „aktiv“ Komponente nicht zu kurz. Weitere Informationen zu Preisen und Möglichkeiten gibt es online und über eine persönliche
Telefonberatung.

Lernapps: Ab ins Netz

Das flexibelste Angebot hält wohl immer noch das Internet parat, etwa im Bus, zwischen Vorlesungen oder in der Arbeitspause. Laut eigenen Angaben nutzen rund 20 Millionen Menschen weltweit den Anbieter „Babbel“. Dreizehn Sprachen lassen sich am Computer, per Smartphone oder Tablet erlernen, und je länger man lernt, umso günstiger wird es. Ab fünf Euro pro Monat geht es los. Für Englisch gibt es sogar auch fachspezifische Angebote, wie Business English oder English for Journalists. Mit über zwanzig Sprachen im Repertoire bietet „Rosetta Stone“ den exotisch interessierten Lernern ein gutes Angebot: Neben westeuropäischen Sprachen lassen sich zum Beispiel auch Persisch, Hindi oder Philippinisch finden. Der Schwerpunkt des Programmes liegt auf einem intuitiven Lernprozess, so wie auch Kinder ihre Muttersprache lernen. Über Bilder und Worte werden Bedeutungen erschlossen und über Hör- und Sprechübungen lassen sich die Strukturen einer Sprache aneignen. Das günstigste Angebot liegt bei rund 200 Euro, dafür bekommt man das gesamte Kursmaterial für seinen Computer zur Verfügung gestellt.
Völlig kostenfreies Sprachenlernen ermöglicht „Duolingo“. Nutzt man die Website auf Englisch, lassen sich neun Sprachen
lernen, wie zum Beispiel Irisch, Dänisch oder Niederländisch. Russisch, Türkisch und fünf weitere Sprachen finden sich in der Entwicklungsphase. Das deutsche Angebot umfasst derzeit nur Englisch und Französisch, Spanisch folgt als nächstes. Bei „Duolingo“ geht das Sprachenlernen gleich ans Eingemachte: Aufgeteilt in verschiedene Kategorien wie Basics, Kleidung, Fragen oder Verben wird die Sprache über verschiedene Aufgabentypen erlernt: Nachsprechen, Übersetzen oder zum Beispiel Vokabeln über Bilder lernen. Theoretischen Input gibt es keinen, einen Suchtfaktor trotzdem. Die kurzweiligen Aufgaben lassen sich zwischendurch absolvieren und nach ein paar Aufgabenblöcken ist das Tagesziel erreicht. 38 Millionen Nutzer hat „Duolingo“ bereits. Das Angebot lässt sich sowohl über die Website als auch
per App für iOS, Android und für Google Phone nutzen.

Wie viel Zeit habe ich? Wie viel Geld habe ich? Und wie viel Motivation kann ich aufbringen? Diese drei wichtigen Fragen sollte man sich stellen, um das richtige Angebot zu finden. Dann kann es direkt losgehen – mit dem Lernen und Welt-Entdecken.


  • Informationen, Kurse und weitere Angebote des Fremdsprachenzentrum und des Selbstlernzentrums Sprachen findet ihr unter www.fremdsprachenzentrum-bremen.de und im GW2 im A Turm in der dritten Etage.
  • Über das Instituto Cervantes könnt ihr euch unter www.bremen.cervantes.es informieren und über das Insitut français unter www.institutfrancais.de/bremen/.
  • Unter www.albu.es/de/ gibt es Auskünfte zum Spanisch Campus Escuela Albufera in Valencia Angebote zu nachhaltigen Sprachreisen gibt es unter www.lernenundhelfen.de
  • Informationen zu Online-Angeboten gibt es u.A. unter www.babbel.com, www.rosettastone.de, www.duolingo.de

Illustration: Ulrike Bausch

Dieser Artikel ist zuerst im ScheinWerfer im Februar 2015 erschienen.

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