„Europa bedeutet Zusammenarbeit und Zusammenhalt – auch in Krisenzeiten“

Interview mit den Jungen Europäischen Föderalisten Bremen

Bereits 1949 gründete eine Gruppe junger Leute in Deutschland den Bund Europäischer Jugend, der sich einige Jahre später in die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) umbenannte. Unzufrieden mit der Art und Weise, wie die Europa-Union, der Dachverband der Föderalisten agierte, legte die Jugend ihren Fokus auf Aktionismus, um die Europäische Integration zu fördern. Heute zählt der supranationale Jugendverband rund 30.000 Mitglieder in über 30 europäischen Ländern. Laut Satzung zeichnet sich die überparteilich und überkonfessionell europapolitische Organisation dadurch aus, dass sie beispielsweise eine föderale Verfassung für Europa fordert. Neben ihren politischen Zielen, die mehr Demokratie, Bürgernähe, Transparenz, Effizienz und Nachhaltigkeit für die Länder Europas beinhalten, arbeiten die jungen Föderalisten vor allem an der Förderung eines europäischen Bewusstseins in der Bevölkerung.
In der vorlesungsfreien Zeit sprach der Scheinwerfer mit Mira Seegemann, Studentin der Integrierten Europastudien, die seit diesem Frühjahr im Vorstand des Bremer Landesverbandes der Jungen Europäischen Föderalisten sitzt.

Scheinwerfer: Mira, erzähl uns von der JEF Bremen.

Mira Seegemann: Wir, die Jungen Europäischen Föderalisten Bremen e.V., sind ein gemeinnütziger Verein. Jung ist dabei natürlich relativ: Wir sind alle Anfang bis Mitte/Ende zwanzig. Unser Dachverband ist die Europa-Union Deutschland. Wir treten für ein geeintes und föderales Europa ein. Das bedeutet, dass wir durchaus den Gedanken eines Föderalstaates Europa befürworten. Konkret organisieren wir Aktionen, die zur europapolitischen Bildung beitragen sollen, wie zum Beispiel Themenabende und Workshops. Dabei sind wir recht frei in unserer Themenwahl.

Scheinwerfer: Kannst du uns eure Ziele und Grundsätze näher erläutern?

Seegemann: Wir vertreten die Ideen der Europäischen Union. Europa bedeutet Zusammenarbeit und Zusammenhalt, auch in Krisenzeiten. Wir sind überzeugt, dass wir eine Europäische Integration brauchen und dass nicht nur die Staaten, sondern auch wir Bürger davon profitieren. Wir JEF-Mitglieder sind alle junge begeisterte Europäer, denen bewusst ist, dass unser Leben, wie es jetzt ist und wie wir es genießen können, nur aufgrund der Europäischen Union möglich ist. Wir können Möglichkeiten nutzen, von denen unsere Großeltern nur träumen konnten. Dazu gehört auch die Personenfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union, von der wir Studierenden zum Beispiel innerhalb eines Auslandssemesters mit dem Erasmus-Programm profitieren können.

Scheinwerfer: Wie setzt sich eure Gruppe zusammen und welche Position übernimmst du im Verein?

Seegemann: Wir sind hauptsächlich Studenten der Universität Bremen. Das versuchen wir mit diesem Semester aber zu ändern: Einerseits möchten wir natürlich den neuen Erstsemester-Studenten gegenüber offen sein, andererseits aber auch den anderen Hochschulen im Land Bremen. Auch Auszubildende und FSJler sind bei uns willkommen.
Wir haben zwei Vorstände: Ich bin der geschäftsführende Vorstand, also praktisch der zweite Vorstand. Der erste ist Manuel Warrlich, der seinen Bachelor in den Integrierten Europastudien gemacht hat. Dazu muss man aber sagen, dass wir nicht streng hierarchisch durchorganisiert sind. Stattdessen versuchen wir, Aufgaben gerecht zu verteilen. Einerseits natürlich, damit wir nicht ganz soviel Arbeit haben; anderseits aber auch, damit jeder die Möglichkeit hat, sich einzubringen und seine Ideen umsetzen zu können. Auf jeden Fall sind wir eine sehr nette Gruppe, in der niemand den Chef spielt.

Scheinwerfer: Was genau hat die JEF denn schon gemacht, um ihre Ziele und Ideen zu verfolgen?

Seegemann: Im Frühjahr haben wir einen Workshop zum Thema Rechtspopulismus organisiert, zu dem wir Professor Dr. Wolfgang Kissel und Anne Jenichen von der Uni Bremen eingeladen haben. Die beiden haben Vorträge über Rechtspopulismus in verschiedenen Ländern gehalten. Aus gegebenem Anlass; denn schon vor der Europawahl hat sich gezeigt, dass rechte Parteien wieder Zuwachs in Europa erfahren. Außerdem waren wir im Vorfeld der Wahl im Mai sehr aktiv: So waren wir beispielsweise auf dem Europafest vertreten und haben zusammen mit dem EuropaPunkt (Anm. d. Red.: Der EuropaPunkt Bremen ist ein Informationszentrum der Europäischen Union) über die Arbeit im Europäischen Parlament und der Kommission informiert. Zudem haben wir nach der Wahl Flyer für die Petition „Respect my vote“ verteilt, in der es darum ging, dass der Wählerwillen respektiert werden und Jean-Claude Juncker zum Kommissionspräsidenten ernannt werden sollte. Uns geht es nicht nur darum, neue Mitglieder zu mobilisieren. Wir möchten das Thema Europa und die Europäische Union in der Bevölkerung wecken und uns dabei von den häufig negativen Assoziationen lösen. Der Gedanke „alles Schlechte kommt aus Brüssel“ wird in Medien und Politik häufig impliziert. Wir möchten mit verschiedenen Aktionen bürgernah sein und in Gesprächen und Diskussionen unser Bild von Europa vermitteln und auch aufklären.

Scheinwerfer: Was plant ihr für das kommende Semester?

Seegemann: Konkrete Pläne haben wir noch nicht, aber die Ratspräsidentschaft Italiens und die Krise in der Ukraine könnten wir beispielsweise thematisieren. Das wird sich auf unseren ersten Treffen in Absprache mit den anderen Mitgliedern klären.

Dieser Artikel erschien zuerst im ScheinWerfer (November 2014).

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